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I.G. Farben



I.G. Farben war ein starkes wirtschaftliches und wissenschaftliches Imperium mit den bekannten negativen moralischen Problemen. Heute sind es schöne alte historische Wertpapiere und Aktien.

Die Anfänge gehen weit zurück.
Künstlich hergestellte Farbstoffe könnten ungeheuren Gewinn bringen - wenn man wüsste, wie man sie herstellt. Erst mit der Entdeckung der Struktur des Grundstoffes Benzol durch Kekulè und der Fabrikation von Indigo stand der Weltproduktion nichts mehr im Wege. Und die Deutschen griffen zu!
Carl Duisberg erarbeitete 1903 bereits Ideen die deutschen Chemiewerke (BASF, Bayer, Höchst, Agfa) zu fusionieren. Es wurde aber nichts daraus. Höchst ging mit Cassella zusammen und später mit Kalle & Co., BASF + Bayer + Agfa bildeten jedoch eine "kleine Farben AG". Der Schritt in die militärische Nutzung der Chemie kam schnell. Die Militärs benötigten weit mehr Schiesspulver als ursprünglich durch die Blitzkriegstheorie Schlieffen`s berechnet wurde. Die BASF bot dem Preussischen Kriegsministerium 1914 an, das entdeckte Grossverfahren für die Salpetergewinnung auch für die Pulverherstellung einzusetzen (aber alle deutschen Betirebe produzierten weniger als die Hälfte der Menge, die allein die amerikanische Firma DuPont herstellte).

Amerika war der Geburtshelfer und auch der Totengräber der I.G. Farben. Carl Duisberg erkannte als erster die Gefahr, die der deutschen Farbenindustrie - und damit der deutschen Chemie - durch die USA drohte. In den USA war die Farbenindustrie voll mechanisiert (automatisiert gab es noch nicht), rationalisiert und eng verflochten. Deutschland war weit davon entfernt. Duisberg hatte aber die verlockende Vision: Konzentration der wichtigsten deutschen Farbenfabriken. Duisberg`s Motor war nicht Machthunger oder Preismonopol. Er nannte z.B. die enorm hohen Kosten für wissenschaftliche Laboratorien, Forschung und Entwicklung, Bau von Versuchsfärberein, hohe Kosten für die Verkaufsorganisation und der Standorte und Lager überall auf der Welt und der ruinöse Wettbewerb für immer neue Farbstoffe als Nachteil für Deutschland. Zusammen mit Gustav von Brüning (Generaldirektor von Hoechst) wurde eine Denkschrift aufgelegt. Duisberg wollte die Produktion vereinheitlichen, Einkauf und Verkauf zentralisieren, aber nicht das Konkurrenzprinzip beseitigen. Die wichtigsten Produkte sollten in jeweils zwei Betrieben hergestellt werden. Die Denkschrift wurde im Berliner Kaiserhof vorgestellt. Agfa, BASF, Bayer und Hoechst waren begeistert. Aber das wandelte sich schnell in Skepsis um. Speziell bei Hoechst kamen starke Bedenken: "was sollte passieren, falls der Zusammenschluß mißglückte?". Hoechst trat dem Gründungsdrang Dusiberg`s auf die Bremse und empfahl eine stufenweise Vereinigung. Als Ergebnis schloß es sich mit Leopold Cassella & Co in Frankfurt zusammen. Cassella wurde in eine GmbH umgewandelt und Hoechst übernahm die Hälfte der Gesellschaftsanteile der neuen Firma. Diesem Zweierbund stellte Duisberg daraufhin einen Dreierbund zwischen BASF, BAYER und Agfa gegenüber. Dieser Dreierbund funktionierte allerdings nur beschränkt: die Produktionen überschnitten sich und Eigeninteressen störten gemeinsame Planungen. Der Zweierbund dagegen funktionierte, wie Hoechst im Verwaltungsbericht 1904 feststellte. Bei so guten Voraussetzungen kam nun noch die Firma Kalle hinzu. Das blieb bis 1916 so.
Der Weltkrieg I hatte die deutsche Farbenindustrie aufs schwerste getroffen. Das Welthandelsmonopol war vernichtet. Außerhalb der deutschen Grenzen entstanden überall Farbstoff-Fabriken. Viele Länder starteten eine gewaltige Propaganda "weg mit der Abhängigkeit von der deutschen chemischen Industrie". Die Alarmglocken schrillten, schließlich nahm das Ausland 3/4 der Produktion ab.
Daraufhin rief Duisberg wieder zur Fusion auf. Der "Dreierbund", der "Zweierbund" und Griesheim und Weiler-ter-Meer fusionierten am 18. August 1916. Diese "kleine I.G. Farben" war allerdings nur eine lose Vereinigung. Kündigung war jederzeit möglich, die Firmen blieben selbständig. Gemeinsam wurde geforscht, rationalisiert, eingekauft und der Absatz zentral gesetuert. Der Gewinn wurde in eine gemeinsame Kasse gezahlt und nach dem Beteiligungsschlüssel verteilt. Für Hoechst, Bayer und BASF betrug die Quote 24,82%.
Der verlorene Weltkrieg I brachte die deutsche chemische Industrie ins Wanken. 50% der Vorräte, 25% der Produktion mußten bis 1925 als Reparation an die Siegermächte gezahlt werden. Besonders Frankreich und England waren gierig. Jede Firma erhielt eine militärische Kontrollkommission. Der Rhein wurde Zollgrenze und nach der Besetzung des Ruhrgebietes verhängten die Siegermächte noch weitere Sanktionen.
Inzwischen gingen 50% des Absatzes an ausländische Konkurrenten verloren. In den Lagern stauten sich 87.000t Farbstoffvorräte - der Bedarf von 1.5 Jahren. Unter diesen Zwängen begannen zur Jahreswende 1923/1924 die Fusionsverhandlungen. BASF, Bayer und Hoechst wollten nun die volle Fusion.
Am 14. November 1924 war die "große I.G. Farben" beschlossen. Die Farbwerke Hoechst übertrugen am 21.11.1925 ihr gesamtes Vermögen gegen Aktien der BASF. Auch Bayer, Agfa, Griesheim und Weiler-ter-Meer schlüpfen in den BASF-Firmenmantel. Daraufhin ändert die BASF ihren Namen in "I.G. Farbenindustrie AG" mit Sitz in Frankfurt. Der Vorstand umfaßt 83 Personen. Carl Bosch hatte den Vorsitz und Carl Duisberg war an der Spitze des Aufsichtsrates. Das Stammkapital betrug 1.1 Milliarden RM, die Mitarbeiterzahl 80.000.
Die großen Zeitungen Deutschlands reagierten sehr positiv auf diesen Trust, lediglich die linke Presse wie z.B. der sozialdemokratische "Vorwärts" verdammte die Monopolbildung. Anlaß für die I.G.Farben war die Vormachtstellung des US DuPont Konzerns. Und England forcierte nun auch einen eigenen Trust, die "Imperial Chemical Industries" (ICI).
Carl Bosch machte die I.G. für Großsynthesen stark: Kautschuk-Synthese, Kohlehydrierung und Kunstfaserherstellung. Hierfür wurde aber sehr viel Energie benötigt. Und die gab es nur in Mitteldeutschland durch die riesigen Braunkohlenfelder. Deshalb wurden dort die Werke "Leuna" und "Buna" zu Zentren der I.G.
Konzentration auf Großsynthesen bedeutete aber auch Abwerfen von Balast, z.B. durch Reduzierung des aufgeblähten Farbstoffsortimentes. Im Jahre 1930 wurde die Duisberg-Maxime einer Doppelfabrikation aufgegeben. Die I.G. prosperierte. Zahlte aber im Vergleich zu den früheren Einzelfirmen (z.B. Hoechst meist 20%) nur "magere" 7% Dividenden in den Jahren 1931-1937. Das Riesenunternehmen IG Farben expandierte stark; ihm gehörten zu Spitzenzeiten in Deutschland 200 Werke, sowie etwa 400 deutsche und 500 ausländische Unternehmensbeteiligungen.
Das Ausland räumte der I.G.Farben einen schier grenzenlosen Kredit ein. I.G. Farben wurde ein leuchtendes Vorbild. Besonders durch die hohe Anzahl der Heilmittel. Deutschland wurde zur Apotheke der Welt und wurde die führende Chemie- und Pharmaindustrie der Welt in Forschung, Entwicklung und Herstellung.
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Carl Duisberg favorisierte 1915 immer noch seine Fusionsidee. Und es gelang - aber zusammengeschlossen wurde nur das Farbstoffgeschäft.
Natürlich reagierten auch andere Länder , wie z.B. die USA, Frankreich oder die Schweiz. Auch hier erfolgten Zusammenschlüsse
Nach dem 1. Weltkrieg wurden die I.G. Farbenmitglieder stark gebeutelt. Sie verloren Patente und Niederlassungen.
So musste Bayer sein Aspirin an die Sterling Products Inc. fast verschenken. Erst in den letzten Jahren kaufte Bayer sein "Recht" wieder zurück.
Die USA dominierten das Geschäft und die deutsche Farbenindustrie blieb auf ihren Produkten sitzen. Was tuen?
Auch hier schlug Duisberg wieder eine Art Fusion vor, alle Mitglieder sollten Ihre Aktien gegen die einer neu zu gründenten Holding tauschen: es klappte am 6.10.1925. Die BASF erhöhte ihr Kapital auf die Summe des Kapitals aller beteiligten Firmen, nannte sich I.G. Farbenindustrie mit Sitz in Frankfurt. Alle Gründerfirmen erloschen.
I.G.Farben legte grossen Wert auf unternehmerische Unabhängigkeit - keine Bank hatte etwas zu sagen.
Damit nach dem Ende des II. Weltkrieges das Völkerrecht der deutschen Industrie nicht helfen könnte, erzeugten die Amerikaner ein extra Gesetz zur "Beschlagnahme und Kontrolle der I.G.F." Damit war das Ende erreicht.
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Carl Duisberg war der Sohn eines Landwirts aus Sehlhof/Elberfeld. Sein Wunschberuf war Chemiker. Und wenn seine Mutter nicht rein zufällig die gleiche Schulbank wie der Inhaber einer Chemiefabrik aus Elberfeld gedrückt hätte - dann wäre Duisberg wohl nie Chemiker geworden.
Friedrich Bayer und Friedrich Weskott gründeten 1863 die "Friedrich Bayer & Co.", die nach dem Tode Bayers (1881) umbenannt wurde in "Farbenfabriken AG vormals Friedrich Bayer". Die Firma lag nicht - wie die meisten Mitbewerber - an Rhein oder Ruhr und hatte auch keine enge Verbindung zu den Unis. Die leitenden Chemiker kamen von Gewerbeschulen und nicht von Universitäten. Aber einen Standortvorteil hatte die Firma: sie baute auf das Wissen der Färber und Bleicher der Textilindustrie an der Wupper und hatte durch diese auch weltweite Verbindungen. Das Firmenwappen zeigte deshalb auch die Bleichkelle. 1885 wurden die Aktien an der Berliner Börse eingeführt. Der Höchstkurs stieg auf 117 RM, sank aber später auf 70 RM. Um die Lage der Firma zu verbessern wurden 3 Chemiker eingestellt: Herzberg, Hinzberg und Duisberg.
Das Heil aller Chemiker damals lag in der Entdeckung des Herstellungsprozesses von Indigo. Grundlage waren dabei die aus Teer gewonnenen Azofarbstoffe. Die deutsche Teerfarbenindustrie gewann damit Weltbedeutung.
Die "Badische Anilin & Soda-Fabrik" produzierte das Azorot; die "Hoechster Farbwerke" stellen 1878 das Mohnrot her; Auch die "Farbenfabriken" stellten einen Azofarbstoff her, der Baumwolle färbte ohne vorheriges Beizen. Der Leiter des Laboratoriums verkaufte aber dieses Patent an die "AGFA" und verließ die "Farbenfabriken". Duisberg wurde sein Nachfolger. Mit ihm ging es bergauf, besonders durch das Benzopurpurin, dessen rote Farbe gegen Säuren widerstandsfähig war und ein besserer Farbstoff war, als das an die AGFA verlorene Produkt. 1885 meldete Duisberg den ersten blauen Azofarbstoff an.
Der deutschen Chemieindustrie ging es zunehmend besser. 1891 wurde die Alizarin-Fabrik "Dr. C. Leverkus" in Wiesdorf durch die "Farbenfabrik" gekauft und Teile der Betriebe dorthin verlagert. 1888 legte Duisberg seine Ideen für eine moderne Chemiefertigung in der Denkschrift "Über den Ausbau und die Organisation der Farbenindustrie" vor. Dies war der Plan für eine moderne deutsche Chemieindustrie.
Duisberg hatte immer aus Ausgleich und Kooperation Wert gelegt und deshalb auch den Patentstreit mit "AGFA" (AG für Anilinfabrikation) beigelegt. Reisen in die USA brachten Duisberg in Berührung mit den Chemietrusts dort. Er schlug deshalb für Deutschland die Gründung einer Interessengemeinschaft vor, die alle Betriebe umfassen sollte, die gleiche oder ähnliche Produkte herstellten. Daraufhin schlossen sich 1904 die ersten drei Firmen zusammen: Bayer,BASF und AGFA. Der Erfolg war gross. Daraufhin gründeten weitere Firmen einen zweiten Interessenverband: Hoechst, Cassella und Kalle.
Der Weltkrieg I benötigte sehr grosse Mengen an Chemieprodukten, deshalb schlossen sich die beiden Verbände auf "99 Jahre" zusammen. Nach dem Weltkrieg I kam dann der totale Zusammenschluss. Fünf Grossunternehmen gaben ihre Selbständigkeit auf und gründeten die "IG Farbenindustrie AG": Bayer, Farbwerke Meister- Lucius&Brüning, Hoechst, AGFA, Weiler ter Meer, Grießheim Elektron, Cassella, Kalle. Es wurde keine Betriebsstätte stillgelegt, sondern nur alles unter eine Leitung gelegt. Die "IG Farben" war nicht die deutsche Chemieindustrie, aber sie fasste die besten Köpfe zusammen und erbrachte grosse Pionierdaten: Verflüssigung der Kohle zur Treibstoffgewinnung, künstlicher Kautschuk zur Reifenherstellung (Buna), Kunstfaser, Stickstoffdüngemittel.
Die Stellung der "IG Farben" führte auch zu internationalen Bündnissen. Es wurde gemeinsam mit der amerikanischen "Standard Oil" die Kohleverflüssigung betrieben, der Weltstickstoffmarkt aufgeteilt und ein europäisches Farstoffkartell gegründet um die Konkurrenz untereinander einzudämmen. Trotz aller Größe der "IG Farben", die Konkurrenz in den USA und England war noch grösser.
Die Manager der "IG Farben" wurden deshalb auch nach dem Ende des Weltkrieges II von den USA verurteilt, damit die lästige deutsche Konkurrenz beseitigt wurde. Die Siegermächte stahlen deshalb was sie kriegen konnten: 200.000 Patente, 24.000 internationale Warenzeichen (darunter Aspirin) und 200.000 nationale Schutzmarken.
Nach der vollständigen Besetzung Deutschlands begann die Zerschlagung der deutschen Industrie gemäß dem Morgenthauplan (Deutschland sollte ein Agrarland werden). Die Alliierten gründeten für das größte und rüstungswirtschaftlich bedeutsamste Chemieunternehmen ein eigenes Kontrollorgan, die "Alliierte IG-Farbenkontrolle". Aufgrund der Verflechtung des Konzerns vor allem mit der mächtigen amerikanischen Standard Oil wurde die Zerschlagung des Konzerns in den westlichen Besatzungszonen jedoch nicht konsequent verfolgt. 1951 wurde in der Bundesrepublik beschlossen, den Betrieb weiterzuführen und aus der IG Farben deren ursprünglichen Bestandteile wieder auszugliedern. Als offizielle Nachfolgeunternehmen wurden im Juni 1952 benannt: Agfa, BASF, Cassella, Huels (Chemische Werke Hüls AG, Marl), Bayer AG, Hoechst AG, Duisburger Kupferhütte AG, Kalle, Wacker-Chemie München, Dynamit AG Troisdorf, Wasag Chemie AG. Alle verbliebenen Markennamen die mit "Ig-" begannen wurden untersagt und umbenannt (z.B. Igepon in Hostapon).
Am 1. Januar 1952 trat die "I.G." in Liquidation und nannte sich "IG Farbenindustrie AG i.L.". Durch das Liquidationsschlussgesetz vom 21. Januar 1955 wurde die "IG Farben" aus der Kontrolle der Alliierten genommen. Nach der folgenden Hauptversammlung am 27. Mai 1955 befand sich die "IG Farben" jahrzehntelang in Abwicklung (IG Farbenindustrie AG i. A.). Ihre einzige Aufgabe war es, alte Ansprüche zu verwalten und die rechtliche Verantwortung zu übernehmen. Am 10. November 2003 meldeten "I.G. Farben i.L." Insolvenz an. Grund waren finanzielle Schwierigkeiten der Beteiligungsgesellschaft WCM, wodurch auch die Liquidität der "I.G. Farben i.L." nicht mehr hinreichend gesichert war.
Es gab eine Reihe von ausländischen Beteiligungen. Auch die Firma Graselli Dyestuff Corp. hatte sich über die Sterling Products ein kräftiges Stück vom deutschen Kuchen einverleibt und firmierte später unter GAF.
Auch Standard Oil gründete mit I.G. Farben ein Unternehmen zur Benzinsynthese.
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Hier finden Sie die DM-Aktien der I.G. Farben Nachfolger (Bayer,BASF,Hoechst).
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